Was macht das Gewicht – Novemberausgabe

Meine Blogpause ist wieder vorbei und ich möchte euch zumindest einen kurzen Bericht über meine Gewichtsentwicklung im letzten Monat nachreichen.

Der Oktober verlief wesentlich ruhiger als der September. Wir waren weniger unterwegs und genossen unsere ruhigen Wochenenden zuhause. Mein Gewicht schwankte den ganzen Monat um die 69 Kilogramm.

Ich habe also in den letzten beiden Monaten zwei Kilogramm zugenommen. Trotzdem bin ich mit meinem Gewicht im Oktober zufrieden, weil ich nicht mehr diese extremen Ausschläge auf der Waage hatte. Es kann einfach nicht gesund sein, von einem Tag auf den anderen zwei Kilogramm Wasser einzulagern, dann wieder zu verlieren, wieder einzulagern usw.

Ich wusste zum Schluss gar nicht mehr, wie viel ich eigentlich wiege.

Zumindest diese Frage ist jetzt geklärt und ich habe damit mein Ziel für den Oktober erreicht. Ich werde euch berichten, was der November bringt.

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Gedankenspielerei III

Gestern Morgen saß ich wie üblich im Bademantel auf dem Sofa, trank meinen Kräutertee und blätterte durch die SZ. Ja, genau, die Papierform der Tageszeitung, die uns jeden Morgen ein armer verschlafener Mensch bringen muss und die dann von zwei morgenmuffeligen Menschen aufgeteilt bzw. hin- und hergereicht wird. Aus diesem täglichen Halbschlafritual wurde ich gerissen, als ich auf der zweiten Seite einen Kommentar entdeckte, der mich tatsächlich interessierte.

Ihr könnt diesen Kommentar („Vier Hilfen gegen Übergewicht“) auf der Website der Süddeutschen nachlesen. Er unterscheidet sich nur wenig von anderen Kommentaren zur steigenden Anzahl der stark Übergewichtigen in Deutschland. Zuerst werden die Zahlen vorgestellt, dann die gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen genannt (Diabetes, Schlaganfälle etc.), zum Schluss gibt es vier Vorschläge, wie man den erwarteten weiteren Anstieg eindämmen könnte.

Es war nur ein Satz, der mir auffiel und eine Gedankenkaskade in Gang setzte – ich möchte dazu noch bemerken, dass ich es gar nicht schätze, wenn mein Gedankenmotor so ohne Vorglühen startet, das macht den ganzen Morgenmuffel kaputt:

„Langsam merken die Verantwortlichen, dass Appelle an den Einzelnen ohne Änderungen im System wirkungslos sind.“

Ähnliche Überlegungen spuken mir schon seit Längerem im Kopf herum. Ich habe vor vielen Jahren im Lebensmittelsektor gearbeitet, zu einer Zeit, als die Neuerfindung des Supermarkts gerade erst gedanklich angedacht wurde. Es gab erste Experimente mit „Convenience-Food“, also Lebensmitteln, bei denen uns Kunden noch einmal ein paar Arbeitsgänge abgenommen werden, zum Beispiel aufgeschnittenem Obst in der Plastikschale. Ziel war es, mehr Wertschöpfung zu erzielen und Umsatz und Gewinn zu steigern.

Die Deutschen werden immer dicker und bei all den vielen Überlegungen, wie man dagegen etwas tun kann, wird mir ein Aspekt zu wenig berücksichtigt: Die Lebensmittelindustrie ist eine Industrie, die in vielen Bereichen nicht anders behandelt wird als beispielsweise die Automobilindustrie. Im Gegensatz zum Gesundheitssektor gibt es kaum Regulierungen, die diese Industrie am Wachstum hindern sollen. Und wachsen will sie.

Dummerweise ist das deutsche Bevölkerungswachstum nicht so berauschend und es leiden nur wenige Menschen Hunger, das heißt, im Grund ist dieser Markt im wahrsten Sinne des Wortes „gesättigt“.

Was also tun? Zum einen werden jedes Jahr Tausende neue Produkte auf den Markt gebracht, viele davon noch mehr verarbeitet, damit wir Kunden unsere Zeit nicht mit Kochen verschwenden müssen. Mehr Wertschöpfung = teurere Produkte = Marktwachstum. Und jedes einzelne Unternehmen (die Lebensmittelhersteller, aber auch die Supermärkte) versucht uns zu verführen, noch mehr zu kaufen. Durch Aktionen, durch Werbung, durch die geschmackliche Gestaltung der Produkte.

Schon mal versucht, nur die halbe Chipstüte zu essen? Es liegt nicht an der Willenskraft von euch, dass das so selten gelingt. Chips sind genauso gestaltet, dass man immer„ nur noch einen“ isst.

Ich hatte diese Woche einen 16-seitigen Prospekt eines Supermarkts vor mir liegen, mit den Angeboten der laufenden Woche. Muss ich alles kaufen.

Diesen riesigen Anstrengungen stehen wir allein gegenüber. Wir sollen uns gesund ernähren. Aber bitteschön sollen wir auf jeden Fall die Industrie und die Wirtschaft am Laufen halten. Wer wundert sich da ernsthaft, dass die Menschen immer dicker werden? Irgendwo muss das angestrebte Marktwachstum doch herkommen.

Die Lösung: mehr Sport. Damit machen wir eine weitere Industrie glücklich (die Sportartikelhersteller und Fitnessstudiobetreiber) und verbrauchen mehr Kalorien.

Aber natürlich sind wir allein dafür verantwortlich, wie viel wir wiegen. Wir, die Kunden, müssen gebildet werden und sollen Ernährungsseminare besuchen. Nur verpuffen all die guten Vorsätze sehr schnell, wenn wir wieder den nächsten Supermarkt betreten und unsere Synapsen den erlernten Belohnungseffekt von viel Salz, Fett und Zucker haben wollen. Mein kleiner Wille soll stärker sein als all der Grips der beteiligten Lebensmitteltechniker und Marktforscher, die Produkt und Verpackung möglichst lecker gestalten. Klar …

Mal abgesehen davon, dass ich mich immer mehr über die hinter vielen dieser Artikeln steckende Haltung ärgere: Wir dummen Konsumenten müssen zu unserem Glück, in diesem Fall dem geringeren Gewicht, erzogen werden. Ihr wisst schon, alles moderat, damit die Krankenkassen weniger Kosten haben und wir möglichst lange leben. Manchmal möchte ich dann aus Prinzip fressen und saufen. Ich bin erwachsen und wenn ich ungesund leben will, ist das ganz allein meine Entscheidung.

Soweit der Gedankenwust.

Innere Pause

Jetzt ist es wieder passiert. Ich habe eine Blogpause eingelegt. Asche auf mein Haupt.

Ich könnte euch darüber aufklären, wie viel ich in den letzten Wochen zu tun hatte, und so begründen, warum ich keine Zeit hatte, mir Gedanken über einen leserlichen und interessanten Blogbeitrag zu machen.

Das wäre allerdings eine Lüge. Wie jede gute Lüge hat sie natürlich einen wahren Kern. Ja, ich hatte die letzten beiden Wochen viel zu tun. Aber nicht so viel, dass ich keinen Text für euch hätte verfassen können. Ihr erwartet von mir keine Thomas-Mann-artigen fein ziselierten Sätze (auch wenn die Verbform im letzten Satz durchaus von ihm hätte stammen können) über mehrere hundert Seiten. Ein paar Absätze sinnvollen Inhalts hätte ich schon zusammengebracht. Genug Ideen habe ich.

Meine Blogpause hat eher mit dem Verhalten zu tun, das ich zeige, wenn es mir nicht gut geht. Ich ziehe mich in mich selbst zurück. Am liebsten würde ich ein „Bitte nicht ansprechen“-Schild an die Tür meines Zimmers hängen. Da ich dann doch über dieses Alter hinaus bin, lese ich ersatzweise. Die meisten Menschen lassen einen dann nämlich in Ruhe.

Ich möchte in diesen Situationen einfach nicht kommunizieren, egal mit wem und egal wie. Auch nicht schriftlich in diesem Blog. Bis ich wieder mehr mit mir im Reinen bin.

Wie seht, geht es mir wieder besser und weiteren Artikeln steht nichts mehr im Wege. 🙂

Diät bei Mann und Frau: 1. Der Entschluss

Ich warne vor, dieser Text enthält jede Menge Klischees, die dazu noch richtig dick aufgetragen werden (ich hoffe zumindest vergnüglich)! Während meiner Abnehmbemühungen habe ich jedoch allzu oft erfahren müssen, dass diese Klischees einen wahren Kern haben. Hier also der erste Teil meiner Lernerfahrungen aus den letzten eineinhalb Jahren.

Die Frau

„Oh mein Gott, die Waage ist schon wieder so ungnädig. Fünf Kilo habe ich in den letzten beiden Jahren zugenommen. Wie konnte das nur passieren. Ich bin soooo undiszipliniert!!! Jetzt aber ran an den Speck, der Sommer kommt und ich möchte unbedingt wieder in meine Kleider passen. Und so traue ich mich nicht an den Badesee. Da quillt ja alles raus an den Seiten.“

Gedacht, Entschluss gefasst, Freundinnen kontaktiert. Eine Diät muss schließlich vorbereitet werden und das Wissen lagert gleich um die Ecke in den Hirnen aller Frauen in der Umgebung. Worauf soll also Frau achten? Was gibt es Neues?

Reaktion der Freundinnen: „Wie viel wiegst du? Aber du bist doch gar nicht übergewichtig, da musst du nicht abnehmen. Hast du schon mal darüber nachgedacht, ob du deinen Körper genügend akzeptierst?“

„Außerdem macht man heute keine Diät mehr, das ist ungesund. Weißt du überhaupt, was du deinem Körper damit antust? Du musst deine Ernährung umstellen. Und Sport musst du machen, damit du nicht eine dieser verfetteten Normalgewichtigen wirst. Am besten probierst du mal XYZ aus, das ist soooo toll, damit spürt gar keinen Hunger und das Abnehmen geht wie von selbst.“

Reaktion der sonstigen Umgebung: „Spinnst du? Ich ess jetzt aber nicht nur noch Salat wegen dir. So eine Diät ist doch nur etwas für vertrocknete oberflächliche Frauen, denen jegliche Lebensfreude abgeht. Total sinnlos, lädt nur zum Jo-Jo-Effekt ein.“

Der Mann

Die Hose kneift, Mann denkt nach: „Sollte mal wieder in Form kommen. Mehr Sport und weniger Chips. Mach ich.“

Erzählt nebenher in einem Gespräch von seinem Vorhaben, sinnierendes Nicken von seinen Freunden. „Ich hab da von einer coolen App gelesen, die Auswertungen über deine Kalorienaufnahme, -verbrauch und die Gewichtsentwicklung verbindet.“

Reaktion der sonstigen Umgebung: Alle Frauen sind begeistert, endlich ein Mann, der auf sich achtet, ist das nicht toll? Der männliche Teil der Bevölkerung reagiert gar nicht.

Der wahre Kern

In unserer Gesellschaft werden geschlechtsspezifische Begriffe für das gleiche Verhalten verwendet. Männer, die ein paar Kilo abnehmen wollen, umschreiben dies mit Worten wie „in Form kommen“, „Frühjahrskur“ oder „mehr Sport machen“. Die Worte „Diät“ und „Abnehmen“ meiden sie dagegen wie der Teufel das Weihwasser. Diese Begriffe haben einen negativen Beigeschmack von weiblicher Hysterie, Frauenzeitschriften und Selbstvorwürfen.

Über dem schlichten Wort „Diät“ ist in den letzten Jahrzehnten ein ganzer Überbau von Vorstellungen entstanden. Eine Frau darf sich also auch hier mit jeder Menge unrealistischer Anforderungen, wie sie zu sein und zu denken hat, herumschlagen. Abnehmen allein reicht nicht, es muss richtig gemacht werden. Und auch aus den richtigen Gründen erfolgen sowie mit der richtigen Einstellung.

Dabei finde ich es schon schwer genug, weniger zu essen.

Zu viel wollen

Wann will ich zu viel? Bis heute ist mir nicht klar, was damit gemeint ist. Normalerweise wird der Begriff verwendet, wenn sich jemand mit zu großen Ansprüchen herumschlägt. „Zu viel wollen“ heißt dann, dass sich derjenige mit zu vielen Aufgaben belastet oder eine zu hohe Qualität der Aufgabenerledigung anstrebt (Stichwort „Perfektionismus“).

Dazu neige ich eher nicht. Ich mag meine Freizeit und habe deswegen überhaupt kein Problem damit, eine Pflicht auf den morgigen Tag zu verschieben. Oder ich lasse sie ganz unter den Tisch fallen, wie meinen geplanten Blogpost letzten Donnerstag. War krank, hatte keine Lust, wo ist das Problem? Schließlich hängt von meinen regelmäßigen Ergüssen hier nichts ab.

Genauso wenig sehe ich mich als perfektionistisch an. Ja, ich versuche hier nicht durch falsche Zeichensetzung oder falsche Grammatik aufzufallen, aber wenn ich mir die Texte in diesem Blog durchlese, weiß ich, dass ich sprachlich gesehen nicht zum ewigen Feilen an meinen Ausdrücken und dem Textaufbau neige.

Trotzdem wird mir seit Jahren immer wieder diese Aussage serviert: „Du willst zu viel.“ Was meint meine Umgebung damit? Wo habe ich zu hohe Ansprüche?

Vielleicht hilft es mir weiter, wenn ich probehalber ergänze: „Du willst zu viel in zu kurzer Zeit erreichen.“

Jetzt steigt mir gerade die Schamesröte ins Gesicht. Treffer, versenkt. Ich bin in meinem Handeln ein sehr ökonomischer Mensch, das heißt, dass ich ein angestrebtes Ergebnis mit möglichst geringem Aufwand erreichen möchte. Das gelingt mir auch ziemlich gut, schließlich hatte ich über 35 Jahre Zeit, meine Methoden zu perfektionieren.

Aber ich unterschätze leicht, wie viel Zeit eine Aufgabe oder eine Veränderung braucht. Und zwar in zweierlei Hinsicht. Zum einen die offensichtliche Problematik, dass mir häufig nicht klar ist, wie viel Zeit ich für das eigentliche Handeln benötige, zum Beispiel für das Schreiben dieses Beitrags. Ups, schon wieder eine Stunde um.

Dadurch gerate ich immer wieder in Zeitnot, muss meinen Tag komplett umplanen und neu überlegen, was ich heute noch erledigen kann. Das wiederum wirft mich aus der Bahn und ich werde zum verwirrt umherflatternden Huhn. Den Rest des Tages kann ich aus arbeitstechnischer Sicht vergessen, dann ist nur noch julilo-Beruhigen angesagt. Eine gute Portion Selbstvorwürfe muss schließlich erst einmal verdaut werden. Denn für dieses Problem kann ich nur mich selbst verantwortlich machen.

Zum anderen kann ich mir nicht vorstellen, wie viel Zeit und Kraftaufwand es braucht, bis eine Handlung die von mir gewollte sichtbare Wirkung entfaltet. Dann wundere ich mich, wieso das so lange dauert, mache mir (natürlich!) jede Menge Vorwürfe und kann den dann endlich erreichten Erfolg gar nicht richtig genießen.

Wenn mir jemand letztes Jahr erklärt hätte, dass ich 15 Monate bis zum Erreichen meines Gewichtsziels benötige, hätte ich gar nicht erst mit dem Abnehmen angefangen. Ich hatte zwar extra keinen festen zeitlichen Rahmen festgelegt , aber ich hatte – wie immer – keine genaue Vorstellung davon, was es denn bedeutet, über ein Jahr abzunehmen und auf meine Ernährung zu achten. Weihnachten, Neujahr, Ostern, Geburtstag. Sommers wie winters. Ich rede zwar über große Zeitspannen, aber richtig vorstellen kann ich mir sie nicht.

„Weniger zu wollen“, heißt für mich also, in der zur Verfügungen stehenden Zeit weniger erreichen zu wollen und meine Ansprüche an meine eigene Effizienz zu senken.

Was so ein öffentliches Nachdenken nicht so alles ergibt. 😉

Erkältungswetter

Oh Mann, das musste jetzt aber nicht sein. Die schönsten Herbsttage, die ich mir hier in der Gegend vorstellen kann, vergehen gerade ohne mich. Erkältung sei dank kann ich mich nur mittags für ein halbes Stündchen raussetzen und meine zugeschleimten Nebenhöhlen durch intensive Sonnenbestrahlung ein wenig aufweichen.

Keine Wanderungen und auch keine Spaziergänge unter einem strahlend blauen Himmel ohne ein Wölkchen. Noch nicht einmal die Flugzeuge bringen richtige Kondensstreifen zustande.

Immerhin habe ich mehr als genügend Gelegenheit, die verschiedenen Pfotenhäufchen unserer Haustiere beim Schlafen zu beobachten, eins süßer als das andere.

Katze in Körbchen, von der man drei Pfoten sieht
Ein kleines entspanntes Pfothäufchen

Die restliche Zeit habe ich damit verbracht, mal wieder ein Sachbuch zu lesen. Sachbuch im Gegensatz zum Fachbuch. Das will heißen, dass ein Sachbuch ein Buch ist, das zumeist recht schnell runtergeschrieben wurde, keine wirklich neuen Erkenntnisse bringt, aber irgendwie so amüsant und in kurzen Kapiteln geschrieben ist, dass auch ein erkältetes Gehirn von den Mini-Informationshappen nicht überfordert wird.

Ein Sonderfall eines solchen Sachbuchs ist der Ratgeber, der zusätzlich auch klare Anweisungen für durchzuführende Handlungen gibt. Das, was ich normalerweise nur aus Kochbüchern und Gebrauchsanweisungen für Computerprogramme kenne.

Das von mir zum Zeitvertreib gewählte Exemplar war „Das Leben ist keine To-do-Liste“ von Shirley Seul. Das Buch springt auf den gerade durch die Bücherwelt jagenden Trend der Entschleunigung und der Achtsamkeit auf. Ihr wisst schon, weniger Hetze, mehr Bewusstheit und Selbstliebe.

Inhaltlich gesehen scheint dieser Ratgeber nicht viel Neues zu bieten, die meisten der Aussagen und Beispiel geistern durch das Netz und durch andere Bücher dieser Art, soweit ich das auf die Schnelle feststellen konnte. Ich bin nicht so fit bei diesem Thema, da ich mit Achtsamkeit und Meditation auf Kriegsfuß stehe. Die meisten Meditationsübungen scheinen mir eher Konzentrationsübungen zu sein und Achtsamkeit ist für mich furchtbar anstrengend, also gerade nicht entschleunigend, und ich bin da auch nicht „mehr bei mir“. Ich bevorzuge es, vor mich hinzuträumen.

Damit bin ich auch gleich bei dem Punkt angelangt, weswegen das Buch den 30-Seiten-Test überstanden hat. Dieser Test besteht darin, dass ich ein Buch abbreche, wenn es mich nicht innerhalb der ersten 30 Seiten genügend packt, das heißt, amüsiert, herausfordert oder mich sonstwie in Bewegung versetzt. Ein Buch, das mir vorschlägt, Löcher in die Luft zu starren, lese ich weiter. Ich mag es, Löcher in die Luft zu starren, und freue mich, wenn ich eine gesellschaftlich akzeptable Begründung dafür finde. Auch eine Aussage, dass man dann in der Gegenwart ist, wenn die Gedanken hin und her schwingen, von einem Eindruck oder einem Thema zum nächsten, finde ich toll. Von der Vergangenheit in die Zukunft und wieder zurück in die Gegenwart. Ohne dauerndes Festklammern am Hier und Jetzt, was ich, wie bereits gesagt, äußerst anstrengend und auch etwas freudlos finde.

Zusammengefasst gesagt, ist dieses Buch einfach menschenfreundlich. Wer nach dieser Lektüre nicht ein paar Dinge von seiner „Das sollte ich tun oder sein“-Liste streicht, ist wahrscheinlich schon erleuchtet. Ich bin es nicht und es war die perfekte Lektüre für die Zeit meiner Erkältung, das Äquivalent eines warmen Tees gereicht von einem mir lieben Menschen. Streicheleinheiten für die Seele auf Sachbuchart.

Und da ich schon immer eine Freundin von jeder Menge Wortspielen war, trugen die mehr als reichlich auf jeder Seite verteilten sprachlichen Geistesblitze einen Gutteil zur erholsamen Wirkung meiner Lektüre bei. Andere sind von solch kecken Formulierungen eher genervt, mich amüsiert es.

Deswegen störte ich mich auch die nicht vorhandene Gliederung und der nicht ersichtliche logische Aufbau nicht besonders. Das spielt bei einem Gespräch unter Freunden schließlich auch nicht die vorherrschende Rolle. Genauso wie die Unergiebigkeit der praktischen Verhaltenstipps. Die in diesem Bereich stehenden Platitüden habe ich gleich überlesen.

War das jetzt eine Buchbesprechung? Öfter mal was Neues in diesem Blog …

Aktueller Freudebringer – leere Liste

Irgendwie fühle ich mich gerade ganz leicht. Mit dieser Strickmütze für meine wilden Locken habe ich den letzten Posten auf meiner langen Liste an aufgeschobenen Projekten erledigt und gleichzeitig dafür gesorgt, dass ich dieses Jahr nicht am Kopf frieren werde.

dunkelgrüne Baskenstrickmütze mit Blattmuster
Das soll eine tannengrüne Strickmütze mit Bommel sein

Ich gebe zu, dass die Freude über die gelungene Mütze bei weitem in den Schatten gestellt wird von der Freude über die leere Liste. In den letzten Monaten habe ich mich langsam, aber beharrlich durch die von mir über Jahre vernachlässigten Projekte durchgeackert und dabei häufig festgestellt, dass sie gar nicht so schlimm waren wie befürchtet.

Das Unangenehmste an jedem Punkt auf dieser Liste war das Ertragen der schlechten Gefühle wegen meiner Aufschieberei. Selbstvorwürfe sind sehr energieraubend und beschleunigen die Arbeit eindeutig nicht. Umso stolzer bin ich darauf, dass ich nicht aufgegeben und mich durchgebissen habe. Tatsächlich habe ich sogar kaum gejammert. 😉

Nach dem ersten Jubel begrüße ich die sich langsam einstellende innere Leere bedingt durch die Abwesenheit eines Dauer-schlechten-Gewissens. So mancher würde dieses Gefühl wohl innere Ruhe nennen. Das könnte ich öfter haben. 🙂